Kunstgang Dom Allerheiligen

Die Kirchen unserer Stadt sind gut mit aufgeschlagenen Religionsbüchern zu vergleichen : Sie spiegeln die Profan- und die Heilsgeschichte wider und verdeutlichen, wie Menschen in verschiedenen Jahrhunderten Gott und Welt zu verstehen suchten. Zugleich sind sie Musterbücher der Kunstgeschichte, denn mit Kirchen verhält es sich wie mit Bildern – beide haben eine überlieferte Symbolsprache mit offenen und versteckten Sinngehalten, die es zu entschlüsseln gilt. Auf diesem Hintergrund können wir glücklich sein, dass es in unserer Stadt eine Fülle von gehaltvollen Kirchen gibt, die die verschiedensten Epochen repäsentieren und dazu einladen, dieses „Gesamtkunstwerk“ zu entschlüsseln.
Die Gruppe Katholische Religion der Klasse 8 nahm sich zwei exemplarische Kirchenbauten vor, um sie in diesem Sinne zu entdecken: den mittelalterlichen Dom (das bedeutenste Kunstwerk der Stadt !) als typisch gotisches Bauwerk und die Kirche Allerheiligen als herausragendes Beispiel für den Stil der Nachkriegszeit.
Gut vorbreitet zogen wir zum Dom, um uns dann vor Ort von einem fachkundigen Führer Details und hintergründige Zusammenhänge erklären zu lassen. Besonders blieb uns im Gedächtnis das „Grab des Mädchens“ – kaum einer beachtet es sonst – gleich im Eingangsbereich, welches die Kernzelle (um 680) des gesamten Baues bildet. Überraschend zudem das riesige Raumensemble der Vierung mit seinem außergewöhnlich großen Querschiff, das besonders für die Kaiserkrönung so gebaut wurde und deshalb „Königshalle“ genannt wird. An die Kaiserwahlen erinnern auch die zeitgenössischen Fenster der kleinen Wahlkapelle. Hier steht man vor einem bedeutenden Ort der Profangeschichte ! Am meisten beeindruckte uns der Hochchor mit einerseits prächtigem uraltem Chorgestühl und einem Altar eines Gegenwartskünstlers aus Leder andererseits – alt und neu in einer harmonischen Einheit !
In eine ganz andere Welt taucht man in der Kirche Allerheiligen ein: Sie gilt als wichtigste Kirchenbau der Nachkriegszeit: Ganz in Stahl/Beton und Glas gehalten, repräsentiert sie eine gewisse Nüchternheit, die aber dazu auffordert, spirituell besetzt zu werden; z.B. lädt die „positive Leere“ des Kirchenraumes dazu ein, von der Gemeinde gefüllt zu werden. Der Grundriss – eine Parabel, in deren Brennpunkt ein Altar steht, der durch eine Lichtkuppel überhöht wird. Zu unserer Schule gibt es übrigens eine ganze Menge von Bezügen: Der Bau wurde von den Architekten Hermann Mäckler errichtet, der jetzige Pfarrer ist Klaus Greef, der im Jahre 1949 am HvGG Abitur machte. Und als die Gemeinde Allerheiligen nach dem Krieg wegen der Zerstörung der alten Kirche durch die Bomben der Amerikaner keine Bleibe hatte, bot der damalige Direktor Weinstock an, dass der Gottesdienst in unserer Aula abgehalten werden konnte.
Pfarrer Greef bereitete uns einen freundlichen Empfang mit einem kleinen Umtrunk und zeigte uns in seiner lebendigen Art die Kirche – ein echtes „Highlight“ des Religionsunterrichts !
Moritz Moxter, Dr. G. Schmiz