Heinrich-von-Gagern-Gymnasium Frankfurt am Main

Zu den Bereichen dieser Seite springen:

Suche




Der Kindertransport rettete ihr Leben: Ehemalige Frankfurter zu Besuch im HvGG

Text:
Iris Hofmann
Adelin Plock
Letzte Änderung:
20.06.2019
Verantwortliche/r:
Jan Czudai

Der Kindertransport rettete ihr Leben: Ehemalige Frankfurter zu Besuch im HvGG

Auch in diesem Jahr besuchten Zeitzeugen unsere Schule. Die insgesamt 6 Gäste kamen aus den USA und Israel und gehörten der zweiten und dritten Generation der Zeitzeugen an. Sie nahmen selbst bzw. als Begleitung an dem Projekt „Jüdisches Leben in Frankfurt“ teil. Dazu haben sie die Einladung der Stadt Frankfurt angenommen und in diesem Zusammenhang auch den Ort aufgesucht, an dem die ehemalige Samson–Raphael-Hirsch-Schule stand, wo sich heute der Neubau unserer Schule befindet.

Zeitzeugen3

An den Zeitzeugengesprächen nahmen Schülerinnen und Schüler von zwei 9. Klassen sowie der Q2 teil, die von Frau Plock und Frau Hofmann unterrichtet werden.
In zwei verschiedenen Gruppen sprachen die Gäste Denise und James Resnik (USA) sowie die Familie Szrbo/Apfelbaum über Ihre Familiengeschichte, die Erlebnisse ihrer Eltern und Großeltern im Deutschland der NS-Zeit sowie ihr Leben in den USA und Israel nach 1939.

Die Familie Szrbo/Apfelbaum ließ die Schülerinnen und Schüler teilhaben an den Erinnerungen an eine zunächst unbeschwerte Kindheit in Frankfurt. Bei der Flucht aus Deutschland durch einen Kindertransport musste die Großmutter viele Familienmitglieder zurücklassen. Bis heute ist nicht bei allen klar, wie ihr Leben weiter verlaufen ist, wann und wo sie ermordet worden sind.
Der Großvater hat Zeit seines Lebens nur ein einziges Mal über die Erlebnisse gesprochen. Auch im Gespräch wurde deutlich, dass es auch der nachgeborenen Generation schwerfällt, über den traumatischen Teil ihrer Familiengeschichte zu sprechen.
Ebenfalls thematisiert wurde der schwierige Neubeginn in den USA und später in Israel sowie die aktuelle politische Lage bzw. der Antisemitismus.

Denise Resnik ist die Großcousine von Lee Edwards, die bereits 2017 unsere Schule besucht hat. Auch die Mutter von Frau Resnik, Dorothy Baer, wurde 1939 als 16 Jährige durch einen Kindertransport gerettet und hat bereits einige Mals vor Frankfurter Schülern gesprochen.

Dorothys Eltern glaubten lange nicht, dass sich die Einschränkungen weiter verschlimmern würden, ihr Vater war ein Patriot, der als Soldat im 1. Weltkrieg gekämpft hatte. Dennoch beobachteten sie die Entwicklungen mit Sorge und ließen ihre Tochter Englischunterricht in einem Sprachinstitut nehmen.
Im Juli 1939 gelangte Dorothy ohne ihre Eltern durch einen der letzten Kindertransporte nach London. Die Zeit in London war beschwerlich und äußerst einsam. Mit Glück und durch die Unterstützung eines Konsuls der Dominikanischen Republik konnte Dorothy über Glasgow mit dem Schiff in die USA reisen, wo sich bereits Familienmitglieder und alte Freunde befanden. Hier traf sie auch ihren späteren Mann, den sie bereits seit Kindertagen aus Frankfurt kannte.
Denise (Jg. 1949) wuchs in NYC und Washington auf. Bereits in der Kindheit war die Suche nach den Großeltern ein großes Thema innerhalb der Familie. Bis heute konnten diese auf keiner Namensliste ausfindig gemacht werden. Das einzige Dokument, das Zeugnis darüber ablegt, dass die Großeltern deportiert wurden, ist ein Brief von Dorothys Mutter aus dem Jahre 1942. Bis heute konnte die mittlerweile 96-jährige daher nicht abschließen, „she has no closure“.

Im Rahmen der Gespräche nahmen die Gäste an einem kleinen Rundgang durch die Schule teil und bekamen dabei auch kleines Privatkonzert in der Aula. Sie sahen die Gedenktafel vor der Schule und die Kastanie auf dem Schulhof, die bereits einige ihrer Eltern kannten.
Begleitet wurden die Gäste von Frau Rieber, die das Projekt 1980 ins Leben gerufen hat.

Unser Schulleiter Herr Dr. Köhler begrüßte die Gäste herzlich im Namen der Schulgemeinde.
Bei einem koscheren Imbiss fanden noch weitere anregende Diskussionen statt, bevor die Besucher aufbrachen, um weitere geschichtsträchtige Orte innerhalb und um Frankfurt zu besuchen.


Seitenanfang

Heinrich-von-Gagern-Gymnasium
Bernhard-Grzimek-Allee 6-8
60316 Frankfurt am Main · Stadtplan

Telefon: 069 212-35150 · Fax: 069 212-40537 · E-Mail