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„Eine Sache, die ich schnell in Auschwitz lernte…“: Eva Szepesi zu Besuch am HvGG

Letzte Änderung:
09.06.2019
Verantwortliche/r:
Iris Hofmann

„Eine Sache, die ich schnell in Auschwitz lernte…“: Eva Szepesi zu Besuch am HvGG

Am Montag (3. Juni 2019) hatten die Schülerinnen und Schüler der 7b und 8d die besondere Möglichkeit, mit einer der letzten Zeitzeuginnen des Holocaust zu sprechen.
Eva Szepesi (Jg. 1932), geborene Diamant, berichtete eindringlich von ihren Erlebnissen als Kind unter dem Terror der Nationalsozialisten in Ungarn und der Slowakei.

Nach einer zunächst behüteten Kindheit spürte sich immer mehr die Ausgrenzung, ehemalige Spielkameraden mieden sie oder drohten ihr sogar Gewalt an. Ihr Vater wurde bereits 1942 in ein Arbeitslager verschleppt, aus dem er nicht mehr zurückkehrte.

Zeitzeugin Szepesi 1

Im Herbst plante ihre Mutter, ohne sie zunächst zu informieren, ihre Flucht. Die damals 11-jährige musste zu Fuß mit ihrer Tante Piri und einem Schleuser die Grenze zur Slowakei überwinden. Ihre Mutter versprach, bald nachzukommen.
In der Sklowakei verbrachte Frau Szepesi einige Monate zunächst bei einem gleichaltrigen Mädchen, später bei zwei älteren Damen.
Im November 1944 mussten sie das Wohnhaus der beiden Damen, ihrer „Märchenschwestern“, verlassen und wurden in einem Altersheim untergebracht. Von dort aus wurden ihre Beschützerinnen bald ins KZ geschickt. Frau Szepesi blieb alleine zurück, bis auch sie auf einen Transport nach Auschwitz geschickt wurde. Die Fahrt in dem geschlossenen Viehwagon war kaum zu ertragen, geholfen hat ihr die Erinnerung an ihre Mutter und eine von ihr genähte Jacke.

Bei der Ankunft im Lager wurde sie durch einen Häftling gewarnt, sich als 16-jährig auszugeben, damit sie für den Arbeitseinsatz eingeplant würde. Hier erhielt die damals 12-jährige auch ihre Nummer, die bei heute auf ihrem Arm zu sehen ist: A26877.
Die Zeit im KZ war von Misshandlungen und Entbehrungen geprägt. Hier lernte sie schnell, dass sie am besten keine Aufmerksamkeit erregen sollte und den Mund zu halten habe.
Die Befreiung am 27. Januar 1945 erlebte Frau Szepesi völlig entkräftet, erst im September 1945 konnte sie wieder nach Budapest zurückkehren.

Zeitzeugin Szepesi 2

Dort lebte sie bei einem Onkel und einer Tante.
Bis 2016 hoffte sie auf ein Lebenzeichen ihrer Mutter und ihres kleinen Bruders. Erst durch einen Besuch in Auschwitz mit Kindern und Enkeln hatte sie Gewissheit, dass ihre Mutter und ihr Bruder bereits im Juni 1944 in Auschwitz ermordet worden waren.
Nach dem Krieg baute Frau Szepesi sich ein Leben in Ungarn auf, 1954 ging sie mit ihrem Mann aus beruflichen Gründen nach Frankfurt, wo sie bis heute lebt.

Wir danken Frau Szepesi sehr dafür, dass sie über ihrer Lebensgeschichte gesprochen und sich den vielen Fragen der Schülerinnen und Schüler gestellt hat.

Für ihr Engagement als Zeitzeugin wurde sich auch schon mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Voraussichtlich im September wird sie auf Vox in einer Dokumentation zu sehen sein, die sich mit dem Leben der Kriegskinder beschäftigt.


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