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„Wo ist denn der gute und wo der böse Teil von Korea?“

Letzte Änderung:
29.03.2021
Verantwortliche/r:
Rainer Durdaut;Iris Hofmann

„Wo ist denn der gute und wo der böse Teil von Korea?“

„Wo ist denn der gute und wo der böse Teil von Korea?“ und „Die Wendezeit war die aufregendste Zeit meines Lebens“

Axel Herbst berichtet von seiner Kindheit und Jugend in der DDR

Zum Abschluss des Unterrichts in der Q4 fand in diesem Jahr ein digitales „Zeitzeugengespräch“ statt. Herr Axel Herbst, Jahrgang 1965, berichtete via Videokonferenz von seiner Kindheit und Jugend in der DDR.
Die Schul- und Studienzeit verbrachte er in Magdeburg und Berlin, wo er eine fundierte Ausbildung genoss.

Bei seinem Vortrag geht Herr Herbst insbesondere auf die Fragen des Kurses ein, so auch darauf, warum er denkt, dass es nicht schon vor 1989 zu mehr Widerstand in der DDR gekommen sei: „Wenn man immer wieder das gleiche erzählt bekommt, dann wird man müde, es zu hinterfragen“. Zudem habe sich das SED-Regime bemüht, punktuell Subventionen zu ermöglichen, die über einzelne Missstände hinwegtäuschen sollten.

Besonders eindrücklich berichtet er über ein Campingabenteuer und den Kontakt zur Stasi. Ohne Hintergedanken hätten sich ein Freund und er bis auf 30m der österreichischen Grenze genähert. Sie wurden daraufhin wenig später im Bus von Mitarbeitern der Staatssicherheit aufgegriffen und einem Kreuzverhör unterzogen.

Auch wenn sie später wieder entlassen wurden - nachdem sich die tschechoslowakische Seite mit der ostdeutschen Stasi ausgetauscht hatte und keine weiteren Vorwände präsentieren konnte - wurden sie doch streng ermahnt, sich nicht wieder in Grenznähe aufzuhalten. Ein mulmiges Gefühl, ja schlechtes Gewissen, sei dabei sehr präsent gewesen. "Warum eigentlich?!" fragt Herr Herbst heute, um zu zeigen, wie tief politische Manipulation wirkte.

Auch eine Stasi-Akte gibt es über ihn. Bis heute weiß Herr Herbst nicht, wer die Informationen über ihn zusammengetragen hat. Studieren wollte er, sei aber nicht oppositionell oder anderweitig auffällig gewesen. Dennoch wurde seine Beziehung zu seinen Eltern sowie die Freundschaft zu einer Klassenkameradin vermerkt.

„Die Wendezeit war die aufregendste Zeit meines Lebens“ berichtet er, auch wenn der Mauerfall eher überraschend kam und er ihn nicht so recht glauben konnte.

Dass die Berichterstattung in Ost und West diametral verlief, sei ihm und seinen Freunden schon bewusst gewesen. Man habe die Wahrheit in der Mitte vermutet, dennoch kam auch irgendwann die Frage auf: „Wo ist denn der gute und wo der böse Teil von Korea?“

Nach einem erfolgreichen Studium habe er auch im Westen schnell Fuß fassen können.

Die DDR sei zwar nicht besonders innovativ, aber sehr gut im Kopieren gewesen, so dass sich das Arbeiten in West und Ost an Computern kaum unterschied.
 
Wir bedanken uns sehr herzlich für diesen persönlichen Einblick in die Ereignisse der 1980er Jahre und hoffen auf eine Fortsetzung.

Vielen Dank auch an Geeske, durch die der Kontakt und das Gespräch ermöglicht wurden.


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