Heinrich-von-Gagern-Gymnasium Frankfurt am Main

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„…und auf einmal waren wir Staatsfeinde.“

Text:
Iris Hofmann
Fotos:
Iris Hofmann
Letzte Änderung:
21.03.2021
Verantwortliche/r:
Jan Czudai

„…und auf einmal waren wir Staatsfeinde.“

Herr Zinnbauer berichtet von seiner Kindheit in der DDR
 

Auch in diesem Jahr fand ein „Zeitzeugengespräch“ mit SchülerInnen der Q4 statt. Herr Zinnbauer, Jahrgang 1970, konnte dank digitalem Konferenzsystem gleich vor und mit zwei Kursen gleichzeitig sprechen.
 
Herr Zinnbauer lebte in den 1970er Jahren mit seinen Eltern in der DDR, genauer Ostberlin. Dort ging er zur Schule, hatte Freunde und war bei den Jungpionieren.
Er berichtet vom Alltag in der DDR und, dass Reisen bzw. Urlaube immer mit besonderen Auflagen verbunden und daher nicht immer möglich waren. Die nicht nur dabei besonders deutlich werdende Einschränkung der persönlichen Freiheit ließ bei den Eltern den Wunsch nach einem Leben im Westen stärker werden. Die von Diplomatenfreunden angebotene Flucht im Kofferraum lehnten die Eltern des damals 8-jährigen jedoch als zu gefährlich ab.
 
Nach langen Überlegungen entschieden sie sich, einen Ausreiseantrag zu stellen. Die Repressionen ließen jedoch nicht lange auf sich warten: der Vater verlor seinen Job bei der Zeitung und musste fortan eine Kirche reinigen und auch das Auto wurde konfisziert. Herr Zinnbauer selbst, als Sohn von sogenannten „Staatsfeinden“, wurde beim Morgenappell vor der ganzen Schule bloßgestellt und der Gemeinschaft verwiesen. Auch mit seinem engsten Schulfreund durfte er plötzlich nicht mehr spielen.
 
Wider alle Erwartungen wurde der Familie die Ausreise dann schlussendlich doch gewährt, so dass sie sich nach einigen Zwischenstationen ein neues Leben in Frankfurt aufbauen konnten.
Doch auch hier ließ sie die DDR nicht ganz los: nach der Maueröffnung erfuhren die Eltern, dass enge Freunden über sie an die Stasi berichtet hatten und dass sogar die Zeit nach der Ausreise in die BRD dokumentiert ist.
 
Wir bedanken uns sehr herzlich für den spannenden und nachdenklich machenden Einblick in diese Phase der deutschen Geschichte und hoffen auf eine Fortsetzung.


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