Heinrich-von-Gagern-Gymnasium Frankfurt am Main

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Griechische Weisen II

Text:
Graecula
Fotos:
H.-G. Ortmanns
Florian Kavermann
Max Schad
Letzte Änderung:
30.05.2019
Verantwortliche/r:
Heinz-Georg Ortmanns

Griechische Weisen II

von Graecula

„Griechische Weisen“ oder Was wäre, wenn …

… Penelope, das Urbild der treuen Ehefrau, gar nicht so makellos gewesen wäre, wie es uns Homer seit Jahrtausenden glauben machen will? Was wäre gewesen, wenn das berühmte Paris-Urteil anders ausgefallen wäre? Die Fachschaft Griechisch des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums ist auf der Suche nach Antworten auf diese und andere die Welt aus den Angeln hebende Fragen zu teilweise vollkommen überraschenden Ergebnissen gekommen, die sie am Dienstag der vergangenen Woche einem staunenden Publikum in der vollkommen überfüllten Aula unserer Schule präsentierte.
Die kleine Fraktion der „Graeculi“, obwohl tüchtig verstärkt durch ihr hochverdientes Ehrenmitglied, Herrn Mausbach, und einen aus Spree-Athen(!) gebürtigen äußerst vielversprechenden Neuzugang, von dem weiter unten noch die Rede sein wird, wäre aus eigener Kraft niemals in der Lage gewesen, dieses Satyrspiel der besonderen Art auf die Beine zu stellen. Dazu bedurfte es der tatkräftigen Unterstützung der ganzen Schulgemeinde.
Herr Starck verkörperte im sogenannten Melier-Dialog des Thukydides gefährlich leise drohend den (wort-) mächtigen Athener, der mit Herrn Goebel und Herrn Heyer als einschüchternden Bodyguards den freiheitsliebenden Vertreter der kleine Insel Melos, Herrn Loos, in die Knie zu zwingen versucht - mit der ewig jungen Drohformel aller Unterdrücker: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“
In einem großartig gelungenen Projekt der Klasse 7b, unter der Regie von Herrn Loos, wurde Diogenes, der Urvater aller Gesellschaftskritiker und Zyniker, so herrlich lebendig, dass man große Lust bekam, sich mit ihm zu unterhalten und zu streiten.
Sehr gerne unterhalten hätte man sich auch mit dem großen Abenteurer und Frauenhelden Odysseus. Eine überraschende Neuinterpretation der homerischen Vorlage zu Odysseus‘ Abenteuer mit der Nymphe Kalypso spielten hinreißend: Nora Bodemer als liebenswert egozentrischer Hermes, Kalypso alias Anna Laufert als leidenschaftlich liebende “Meisterköchin“, Armin Gaberdiel, einzigartig und unnachahmlich, als schläfrig-charmanter Frauen(ver)kenner Odysseus, und - leider zum letzten Mal - in der Rolle der gar nicht so treuen Penelope die wunderbare Mathilda Kornemann als ewig verführerischer Männer(alp)traum.
Odysseus‘ Begegnung mit der Göttin Kirke setzte die Klasse 9a phantasievoll und tierisch-witzig in Szene mit Marie Elshorst als (be)zaubernd-zauberhafter Kirke und Lasse Mauersberger als umwerfend verschlagen-schlagfertigem Odysseus.
Ein unbestrittener Glanzpunkt des Abends war die berühmteste Hochzeitsfeier aller Zeiten. In bester Party-Stimmung feierten auf dem Aula-Olymp: der sterbliche Bräutigam Peleus, der als Veganer nicht ganz auf seine Kosten kam (sympathisch empathisch: Herr Dr. Schmidt), die göttliche Braut Thetis, ihrem etwas skurrilen Bräutigam vor allem dankbar für ihren hochbegabten Sohn Achilleus (wunderschön in einem Traum in weiß: Frau Kerfin), die in puncto Männergeschmack sehr verschiedenen Stiefschwestern Aphrodite und Athene (herrlich zickig: Frau Voigt und Frau Wenckebach), die die Offenbach-Eskapaden ihres Gatten kritisch beäugende Hera (sehr charmant erblondet: Frau Plock), die männlichen Trostes stark bedürftige Demeter (liebenswert „beschwipst“: Frau Kruse), der sich gegen Demeters Avancen beinahe erfolgreich wehrende Hermes (saftig-spröde: Herr Weschke) - liebevoll umsorgt von Herrn Kellers in vieler Hinsicht „goldigem“ Ganymed. Und als ungebetener Überraschungsgast: Eris, die Erfinderin des Zankapfels (teuflisch temperamentvoll: Frau Pfannmüller). Diese hochexplosive Mischung gegensätzlichster Temperamente feinfühlig zu bändigen und klug zu leiten, bedarf es einer exzellenten Führungskraft mit hervorragender Expertise im Bereich Konfliktmanagement: Herr Direktor Köhler in der Rolle des streitschlichtenden Zeus: göttlich authentisch!
Der Abend der „Griechischen Weisen“ war aber auch die Stunde des unvergleichlichen Herrn Weschke: zunächst in der Rolle des pfiffigen Meisterdiebes in Herodots „Schatz des Rhampsinit“. Und anschließend als selbstverliebt-schönbeiniger Herzensbrecher in der Rolle des Hermes.
Im „Paris-Urteil“ hatte Herr Scholder als notorischer Frauenversteher und Frauenkenner die entsetzliche Qual der Wahl zwischen dem verführerisch kühlen Charme Athenes (Frau Wenckebachs), der zupackenden Erotik Heras (Frau Pfannmüllers) und der unwiderstehlichen Verführungskunst Aphrodites (Frau Voigts). Und Paris wählt: die schönen Beine… Männerfreundschaft statt Frauenraub - und der trojanische Krieg hätte nie stattgefunden. Wenn das Paris-Urteil so ausgefallen wäre, hätte auch unser Odysseus seine Insel niemals verlassen müssen. Die Insel all seiner Sehnsüchte: Ithaka.
Konstantinos Kavafis‘ gleichnamiges Gedicht, zweisprachig sehr bewegend vorgetragen von Victoria Bukogianni und Lili Jourdan, zeigte zum Schluss, wohin unsere Reise führt. Unser aller Reise.
Alles und alle höchst vorteilhaft in Szene gesetzt von der immer verlässlichen Technik-AG und musikalisch live begleitet vom genialsten und begabtesten aller Musensöhne: von Anton Förster.
Berührend-nachdenklich und charmant-witzig. So waren und sind die „Griechischen Weisen“.


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