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„Und plötzlich hängte mein Vater ein weißes Laken ins Fenster!“

Letzte Änderung:
11.06.2018
Verantwortliche/r:
Iris Hofmann

„Und plötzlich hängte mein Vater ein weißes Laken ins Fenster!“

„Und plötzlich hängte mein Vater ein weißes Laken ins Fenster!“

Michael Fuxen zu Besuch am HvGG


Über siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die dramatischen Ereignisse der Kriegs- und Nachkriegszeit im Bericht von Michael Fuxen (*1940) wieder lebendig.

Das Gespräch mit unserem Gast war möglich, da er der Opa einer Schülerin der 9b ist, die ihn im Namen der gesamten Klasse eingeladen hatte. Auch vier Schüler der 7b lauschten gespannt seinem sehr persönlichen Bericht über die Ereignisse ab 1945.

Thematisiert wurden beispielsweise die Nächte im Luftschutzbunker während der Bombenangriffe auf Düsseldorf. Herr Fuxen weiß auf interessante Art über die verschiedene Wahrnehmung der Menschen zu berichten: die Kinder sahen in den Detonationen zunächst nichts Bedrohliches, lachten sogar, wohingegen sich die Erwachsenen der gefährlichen Lage nur zu sehr bewusst waren.

Nicht zu kurz kommen auch Erzählungen über seine eigene Schulzeit: In den zerbombten Städten fand der Schullalltag nur schleppend und im Schichtbetrieb statt. Die Lehrer waren sehr streng und der Unterricht fand nach Geschlechtern getrennt statt. Dennoch fanden die Kinder immer wieder neue Ideen, Streiche zu spielen.

Die Rolle von glücklichen Umständen wurde im Rahmen des Mauerfalls und der Pressekonferenz um Günther Schabowski thematisiert. Dies sei einer der besonders glücklichen Momente seines Lebens gewesen, wie Herr Fuxen berichtete.

Dazu gehörte auch rückblickend der Moment, in dem der Vater die weiße Flagge ins Fenster hängte, als die Amerikaner bei Kriegsende in die Stadt kamen. Besonders beliebt bei den Kindern war vor allem das für sie neue „chewing gum“, aber auch orangene Kugeln und krumme gelbe Früchte wurden begeistert aufgenommen.

Als der Schwarzmarkt und der Tauschhandel blühten und die Menschen immer wieder auf Hamsterfahrten gehen mussten, war gerade das Kaugummi sehr kostbar und als Tauschobjekt sehr begehrt, da kaum Geld zur Bezahlung eingesetzt wurde.

Parallel zu den geschichtlichen Ereignissen wurde auch die damals aktuelle Technik besprochen. So erfuhren die Schülerinnen und Schüler vom Einsatz eines Eisblockes im sogenannten „Eisschrank“ (heutiger Kühlschrank), dem Recycling von alter Kleidung durch Neustricken aus alter Wolle, aber auch dem Nichtvorhandensein von Telefonen und Fernsehgeräten. Lediglich das Radiogerät war bereits schon in den 1940er Jahren immer häufiger in Familien angeschafft worden, da dies zu Propagandazwecken der Nationalsozialisten missbraucht wurde.


Herr Fuxen schließt mit dem Appell an die Schülerinnen und Schüler, neugierig zu bleiben und nachzufragen.

Wir bedanken uns sehr herzlich für diese tolle Gelegenheit, einen ganz anderen Blick auf die Ereignisse der deutschen Geschichte zu gewinnen und wünschen Herrn Fuxen weiterhin alles Gute.


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