Heinrich-von-Gagern-Gymnasium Frankfurt am Main

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Griechische Weisen

Text:
Sappho
Graeculus
Fotos:
Ulrike Zufall
Letzte Änderung:
03.03.2018
Verantwortliche/r:
Andreas Weschke

Griechische Weisen

War Penelope wirklich so treu, wie es uns Homer glauben machen will? Was wäre gewesen, wenn das Paris-Urteil anders ausgefallen wäre? Die Fachschaft Griechisch des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums ist auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen zu teilweise vollkommen überraschenden Ergebnissen gekommen, an denen sie in der vergangenen Woche ein freundlich gespanntes Auditorium in der vollkommen überfüllten Aula unserer Schule teilhaben ließ.
Herr Loos, Herr Weschke und Frau Vollrath (die Fachschaft Griechisch also) hatten mit feinem Skalpell die Filetstücke der griechischen Literatur seziert, scharf gewürzt und mit Hilfe der ganzen Schulgemeinde in Form von sieben teils ernsten, teils lustigen Bühnenstückchen als „Griechische Weisen“ äußerst schmackhaft präsentiert.
Die „Griechische Weisen“ waren auch ein Geschenk. Ein Geschenk für das Ehrenmitglied der Fachschaft Griechisch: Herrn Mausbach. In der Trilogie seiner Verabschiedungsfeiern fehlte ja noch das Satyrspiel. Herr Mausbach war sogar selbst Teil dieses Geschenkes, denn er verkörperte im sogenannten Melier-Dialog des Thukydides sehr überzeugend den (wort-) mächtigen Athener, der mit Herrn Coutu und Herrn Heyer als einschüchternden Bodyguards den freiheitsliebenden Vertreter der kleine Insel Melos, Herrn Loos, in die Knie zu zwingen versucht mit der ewig jungen Drohformel aller Unterdrücker: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“
In einem großartig gelungenen Projekt der Klasse 6b, unter der Regie von Frau Kerfin und Herrn Loos, wurde Diogenes, der Urvater aller Gesellschaftskritiker und Zyniker, so herrlich lebendig, dass man große Lust bekam, sich mit ihm zu unterhalten und zu streiten.
Sehr gerne unterhalten hätte man sich auch mit dem Frauen(ver)kenner Odysseus. Eine überraschende Neuinterpretation der homerischen Vorlage zu Odysseus‘ Abenteuer mit der Nymphe Kalypso und der Rückkehr zu seiner Frau Penelope spielten hinreißend: Kalypso alias Larissa Berzas als exotisch schöne „Meisterköchin“, Bruno Goes als unwiderstehlich charmanter Frauen(ver)kenner Odysseus, Penelope alias Mathilda Kornemann als verführerischer Männer(alp)traum und Armin Gaberdiel als liebenswert exzentrischer Hermes.
Odysseus‘ Begegnung mit der zauberischen Göttin Kirke setzte die Klasse 9a wunderbar phantasievoll und witzig in Szene mit Marie Elshorst als zauberhaft zickiger Kirke und Lasse Mauersberger als umwerfend verschlagen-schlagfertigem Odysseus.
Der Abend der „Griechischen Weisen“ war auch die Stunde des unnachahmlichen Herrn Weschke: zunächst in der Rolle des pfiffigen Meisterdiebes in Herodots „Schatz des Rhampsinit“. Und anschließend als schönbeiniger Herzensbrecher in der Rolle des Hermes im „Paris-Urteil“. Herr Scholder in der Rolle des Paris hatte als notorischer Frauenversteher und Frauenkenner die entsetzliche Qual der Wahl zwischen dem verführerisch kühlen Charme Athenes (Frau Battenbergs), der zupackenden Erotik Heras (Frau Jaeschkes) und der unwiderstehlichen Verführungskunst Aphrodites (Frau Bükers). Und Paris wählt: die schönen Beine… Männerfreundschaft statt Frauenraub - und der trojanische Krieg hätte nie stattgefunden. Wenn das Paris-Urteil so ausgefallen wäre, hätte auch unser Odysseus seine Insel niemals verlassen müssen. Die Insel all seiner Sehnsüchte: Ithaka.
Konstantinos Kavafis‘ gleichnamiges Gedicht, zweisprachig sehr bewegend vorgetragen von Anna Athanassiadis und Nora Spieles, zeigte zum Schluss, wohin unsere Reise führt. Unser aller Reise. Tiefer Ernst und großer Spaß. Berührend-nachdenklich und charmant-witzig. So waren und sind die „Griechischen Weisen“.
Dieser Bericht wäre höchst unvollständig, wenn er nicht auf die wunderbare Moderation des Abends durch Frau Vollrath hinweisen würde. Sie verstand es meisterhaft, als wahre Kirke des 21. Jahrhunderts Akteure und Publikum gleichermaßen durch ihren Charme und Esprit vollständig zu verzaubern.




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