USA-Austausch 2022

Liebe Schülerinnen und Schüler, Liebe Eltern,

nach langer Pause wird es im Herbst 2022 höchstwahrscheinlich die Möglichkeit geben, unsere Partnerschule in Wausau/ Wisconsin besuchen zu können. Geplant ist die Fahrt in den beiden Wochen vor den Herbstferien, vom 9. -23.10.2022.

Der Austausch richtet sich an Schüler/innen der zukünftigen E-Phase (jetzige Klassen 9).
Die Schüler sind vor Ort in Gastfamilien untergebracht und besuchen gemeinsam mit ihren Gastgebern die Schule. Darüber hinaus sind Ganztagsausflüge geplant (wie z.B. Madison Capitol und University Campus, Wisconsin Farm Tour, Green Bay Packers Stadium, Heritage Hill o.ä.). Zum Abschluss übernachten wir zwei Tage in Chicago und bieten dort ein umfangreiches Programm (City Tour, Millennium Park, Magnificent Mile, Boat Tour, Navy
Pier, Willis Tower).

Bei Interesse füllen Sie bitte die Voranmeldung aus und lassen Sie diese bis 9. Mai Herrn Probst oder Frau Hofmann zukommen.

Una bella conoscenza – Eine schöne Bekanntschaft

Ein Bericht von Giulia Mudrack und Amelie Trummer aus dem Italienisch-Unterricht (It-E/Q3)

Habt ihr schonmal von Autismus gehört? Bei Andrea, in Italien ein Männer-Name, wurde diese Entwicklungsstörung festgestellt, als er drei war. Autismus tritt in verschiedenen Formen auf: So haben Autisten manchmal Probleme im alltäglichen Umgang mit anderen und haben Schwierigkeiten beim Sprechen. Doch, dass ein „bisschen anders sein“ nicht schlecht oder komisch ist, merken wir, wenn wir Andreas Geschichte hören: Ein Buch namens „Se ti abbraccio non aver paura“ (Wenn ich dich umarme, habe keine Angst) erzählt über Andreas Reise quer durch die USA und Lateinamerika mit seinem Vater Franco. Der Titel des Buches ist inspiriert von einer Eigenschaft von Andrea, die ihn dazu veranlasst, ständig Leute zu umarmen. Über diese Reise hatte Franco dem Autor Fulvio Ervas berichtet, der im Anschluss dieses Buch geschrieben hat, das auch verfilmt wurde. Mittlerweile ist Andrea, der während der Reise gerademal 17 war, 28 und lebt alleine. Er hat auch schon selber ein Buch geschrieben. Kennengelernt hat unser Italienisch-Kurs Andrea zunächst durch unsere Italienischlehrerin Signora Sgrosso, die uns über ihn erzählte und seine Geschichte in unseren Unterricht eingebunden hat.

Besonders engagiert arbeiten die beiden in ihrer Stiftung „I Bambini Delle Fate“ (Die Feenkinder – https://www.ibambinidellefate.it/), die es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit Projekten das Leben von Familien zu verbessern, die täglich mit den Herausforderungen des Autismus leben. Auch sollen Autisten besser in die Gesellschaft eingebunden und ihnen geholfen werden, auch alleine klarzukommen und wie Andrea auch selbstständig leben zu können.

Weil wir nun schon so viel über Andrea und seine Familie gehört hatten, entschlossen wir uns, ihm als Kurs eine E-Mail zu schreiben. Und groß war die Freude, als wir eine Antwort von ihm persönlich erhielten. Durch seine Antworten auf Fragen, die wir ihm gestellt hatten, konnten wir ihn noch besser kennenlernen und mehr über seine Persönlichkeit und seine Pläne für die Zukunft erfahren. Andreas Antwort war dabei sehr poetisch und philosophisch und auch geprägt von seinem eigenen Schreibstil. Er forderte uns auf noch mehr aufeinander zu achten und unsere Freundschaften zu schätzen.

Für sein junges Alter erschien uns allen Andrea schon sehr weise und erfahren und vor allem waren wir froh, einen so besonderen, freundlichen und intelligenten jungen Mann kennenlernen zu dürfen. Seine Worte und Ideen sollten wir uns alle zu Herzen nehmen und uns von ihm dazu inspirieren lassen, stets aufeinander zu achten und uns gegenseitig zu unterstützen, besonders, weil die Corona-Pandemie uns zurzeit alle belastet. Doch solche Situationen stellen auch eine Chance dar, uns den Wert von Freundschaft und Verbundenheit noch mehr bewusst zu machen.

Bericht zum Russlandaustausch 2003

Gruppe

Nachdem die russischen Schüler im Mai für zwei Wochen bei uns in Frankfurt gewesen waren, trafen wir uns am Donnerstag, dem 18. Juni, morgens um halb sieben am Flughafen, um den zweiten Teil des Austausches zu bestreiten. Wir deutschen Schüler wurden von Herrn Schütz und Herrn Rohde begleitet. Um halb acht waren dann endlich alle da. Nach dem Einchecken begann der Abschied und wir Schüler verließen unsere Eltern auf dem Weg in die „Ungewissheit“. Kurz darauf saßen 20 Schüler und ihre Lehrer im Flugzeug und harrten aufgeregt der Dinge, die nun für zwei Wochen über sie hereinbrechen sollten.
Im Gegensatz zu den Russen hatten wir den entscheidenden Vorteil, unsere Austauschpartner schon zu kennen, als sie uns am Flughafen in Moskau abholten. Ihre Eltern kannten wir allerdings noch nicht. 
Weil es in Moskau trotz des hervorragenden Metrosystems ein gigantisches Verkehrsaufkommen gibt – kein Wunder bei ca. 9 Mio. Einwohnern -, dauerte die Fahrt „nach Hause“ trotz vieler Schleichwege eine ganze Weile, was bei einer Ausdehnung von etwa 900 km2 ebenfalls nicht verwunderlich ist. Nach einer kurzen Führung durch die Wohnung, die für zwei Wochen mein zu Hause sein würde, gab es Essen.

Wir waren zwar in diversen Schulstunden von Frau Delavre auf den Aufenthalt vorbereitet worden, doch hätte ich vorher gewusst, dass Russen überzeugte Betreiber der Völlerei sind, hätte ich mein Frühstück an Board bestimmt nicht komplett verspeist. 
Schon am ersten Nachmittag fuhren wir ins Stadtzentrum um „spazieren zu gehen“, was so viel heißt wie planlos herumzulaufen. 
Am Freitag fand ein Empfang in der Schule statt, bei dem wir erfuhren, dass dies schon der neunte Austausch des HvGGs mit der „Schule 1249 mit erweitertem Deutschunterricht“ war, also nächstes Jahr Jubiläumsaustausch sein wird und das davon sogar in einem weit verbreiteten Deutschbuch, für russische Schüler, schon die Rede ist.

Am Wochenende fuhren viele auf die Datscha (komfortable Wochenendhäuser mit Sauna und Heimkino oder kleinere Blockhütten), andere gingen shoppen, was in Moskau auch am Sonntag kein Problem ist, wieder andere gingen mit ihren Gastfamilien – wie ich – abends ins Musical, Ballett oder Theater und eine von uns flog sogar mit ihrer Familie nach St. Petersburg.

Schon an der Wochenendgestaltung konnte man sehen, dass unsere Austauschpartner und ihre Eltern wirklich keinerlei Kosten und Mühen scheuten um uns einen unvergesslichen und abwechslungsreichen Aufenthalt in Moskau zu bescheren.
Das von der Schule organisierte Programm erwies sich zwar als nicht weniger kostspielig und abwechslungsreich, doch war es teilweise leider etwas verschwenderisch geplant: stundenlange Pufferzeiten und immer mindestens zwei engagierte Führer. Manche Ausflüge, wie z.B. den nach Kolomna, wo es nichts als ein verrottetes Kloster-Festungs-Städtchen und eine auf Kindergarten eingerichtete Ritterschau gab, hätte man sich vielleicht sparen können.

Die anderen Aktivitäten waren allerdings mehr als nur eine Entschädigung. So sahen wir auf einer Stadtrundfahrt im Bus ganz verschiedene Ecken Moskaus und hörten dazu Kommentare der Führerin. Wir erkundeten den Kreml mit seinen riesigen Schätzen in der Rüstkammer, der Kanonensammlung und seinen Kathedralen, wir „erlebten“ in einem Panorama-Museum förmlich die Schlacht von Borodino, wurden in der russischen Geschichte von Herrn Schütz unterrichtet, sahen in der Tretjakowgalerie Kunstwerke russischer Künstler und die größte Ikonensammlung der Welt. Die Aussichtsplattformen auf der, mit großem Aufwand wiedererrichteten Christi-Erlöser-Kathedrale boten einen Ausblick auf verschiedene Stadtteile und Sehenswürdigkeiten, die wir teilweise vorher schon aus der Nähe gesehen hatten. Unsere Führerin konnte uns viel Interessantes über die alte Kathedrale, ihren Abriss und Neubau erzählen. Das Puschkin-Museum gehört zu meinen persönlichen Favoriten: Dort waren Kopien griechischer Tempelanlagen, ägyptische Mumien und Sarkophage in einem Haus mit Bildern von Picasso, Matisse, Botticelli, Rembrandt, Rubens und vielen mehr ausgestellt. Sogar antike Funde Schliemanns in Troja sind dort exponiert.

Im Sternenstädtchen, wohin wir einen Tagesausflug machten, konnte man Teile des Trainingscenters für Kosmo-/ Astronauten sowie 1:1-Kopien der Raumstation Mir und der Trägerrakete Sojus anschauen und teilweise sogar betreten. In Sergiew Possad besichtigten wir ein, vom Mönch Sergius gegründetes, Kloster, das diversen Armeen standgehalten hatte jedoch nicht gegen die Kommunisten aushielt und dadurch viele seiner Schätze verlor.

Im Zirkus, der der erste nicht Wanderzirkus war, den ich je gesehen hatte, entdeckten viele von uns ihre verloren gegangene Freude am Zirkus wieder.

Alles in allem war der Russland-Austausch eine sehr schöne und interessante Erfahrung. Wir haben nicht nur die kulinarischen Gewohnheiten sondern auch die Lebensweise unserer russischen Austauschfamilien kennen gelernt. Man muss auch immer bedenken, dass man sich vor etwa 15 Jahren überhaupt nicht vorstellen konnte, dass jemals ein derartiges Austauschprogramm würde stattfinden können, weil die verschiedenen politischen Systeme und Antipathien dies nicht zuließen.

Bilder von Constantin Wischnath

Text von Thomas Strothjohann