Klassenzimmerlesung mit Schauspieler Isaak Dentler

Eine fast schon generationenübergreifende Erfahrung ist, dass aktuelle Jugendliteratur in der Schule eher selten gelesen wird. Zu selten? Seit diesem Schuljahr ist das Heinrich-von-Gagern-Gymnasium Mitglied in einem Netzwerk literarisch aktiver Schulen und hat sich zum Ziel gesetzt, nicht nur mehr zeitgenössische Literatur in die Klassenzimmer zu tragen, sondern auch neue literarische Begegnungsräume zu schaffen.

Die 9a kam als eine der ersten Klassen in den Genuss einer „Klassenzimmerlesung“. Diese wurde ermöglicht durch eine Zusammenarbeit der Katholischen Akademie Rabanus Maurus im Haus am Dom Frankfurt, der Sankt Hildegard-Schulgesellschaft, dem Amt für Katholische Religionspädagogik Frankfurt und dem Jungen Literaturhaus Frankfurt. Gelesen wurde aus Grit Poppes DDR-Roman „Verraten“ (2020), der für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021 nominiert war.

Zu Gast im Klassenzimmer war neben Dr. Lisa Straßberger von der Akademie der „Star des Morgens“: der Schauspieler und professionelle Sprecher Isaak Dentler, der manch einem Frankfurter aus dem Schauspiel oder dem hiesigen Tatort bekannt ist. Er ließ es sich dankenswerterweise nicht nehmen, schon um 8:00 Uhr bei uns auf der Matte zu stehen.

Die Lesung war eine wunderbare Abwechslung zum Schulalltag. So konnte die Bedeutung der Lektüre einmal außen vor bleiben. Herr Dentler sprach lieber über die Bilder, die beim Lesen im Kopf entstehen: Dieses eine knarzende Dachfenster! Das mächtige Tor, das schon „Gefängnis“ ruft! Katjas Flucht, die mit Udo Lindenberg im Westradio zum Roadtrip wird!

Nach und nach entwickelte sich das Gespräch zum außerschulischen Lernort mitten im Klassenzimmer. Ob man den Roman auch ins Theater bringen könne, fragte die Klasse. Nicht ohne das knarzende Dachfenster, lautete die Antwort. Ob man lieber erst das Buch liest und dann den Film schaut oder ob es in der Realität doch eher anders herum läuft, diskutierten die Schülerinnen und Schüler. Obendrein erfuhren sie, wie viel organisatorischer Aufwand mit der Schauspielerei einhergeht – und warum es eigentlich so schwer ist, als deutscher Schauspieler nach Hollywood zu kommen.

Der Dank des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums geht an Herrn Dentler, der der Klasse einen erinnerungswürdigen Donnerstagmorgen bereitete, an die Akademie Rabanus Maurus und Kooperationspartner für Organisation und Finanzierung, und nicht zuletzt an Frau Dr. Straßberger, die uns die Freude machte, sogar persönlich vorbeizuschauen.

Als Dankeschön erhielten die Besucher je einen Rotwein und ein Päckchen süße Schulkreide beziehungsweise eine Zitrusfrucht, die im Roman eine ganz besondere Rolle spielt. Doch darüber soll an dieser Stelle nicht mehr verraten werden.

  Der Jugendroman „Verraten“ (2020) von Grit Poppe war für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021 nominiert und behandelt ein bisher wenig beachtetes Thema der DDR-Geschichte: Jeweils aus Sicht der beiden Protagonisten Katja und Sebastian schildert Poppe das Leben zweier Jugendlicher in der DDR, die in die Fänge sozialistischer Erziehungsheime beziehungsweise Staatssicherheit geraten. Dabei versteckt Sebastian die flüchtige Katja, wird jedoch gleichzeitig von der Stasi bedrängt, Lehrer, Mitschüler und sogar seinen eigenen Vater zu bespitzeln.   Für die Schülerinnen und Schüler der 9a war das Verhalten der beiden Protagonisten zwar nicht gerade vorbildhaft, die Verknüpfung von Spannung beim Lesen und der Vermittlung von geschichtlichem Wissen fand die Klasse aber toll; ebenso die Möglichkeit, Historie einmal aus Perspektive der Opfer nachempfinden zu können.  

Markus Schenzle

Das N.E.R.D.-Quiz – 8.000 Fragen und kein Ende in Sicht!

Der April 2015 war die Geburtsstunde des mittlerweile legendären N.E.R.D.-Quiz und seitdem wächst der Fundus an kniffligen, nerdigen oder einfach nur unterhaltsamen Fragen stetig an. Jetzt wurde mit der Frage 8.000 ein weiterer Meilenstein gesetzt.

2748 Fragen aus dem Themenfeld Mathematik/Informatik, davon 855 aus der Kategorie „schwierig“, 911 „mittel“ und 982 „leicht“ stehen aktuell zur Verfügung.

Aus dem Themenfeld Allgemeinwissen sind es 2.607 (858 – 879 – 870).

Und aus dem Bereich Trivia gibt es 2.649 (894 – 895 – 860).

Das sind in Summe sogar 8.004, denn es geht stetig weiter. Jeder der Lust hat, sich an der weiteren Geschichte des N.E.R.D.-Quiz zu beteiligen, ist dazu herzlich eingeladen.

Den kleinen Wettbewerb zur möglichst „nerdigen“ Frage Nr. 8.000 hat übrigens Jerome Kiefer (Q1) hiermit gewonnen.

Vorweihnachtliches Musizieren in der B-Ebene in Coronajahr 2 (2021)

Trotz der pandemischen Lage war es uns dieses Schuljahr möglich, das weihnachtliche Musizieren in der B-Ebene der Hauptwache …

Musizieren in der B-Ebene

Es gehört zu den schönsten Traditionen unserer Schule, in der Adventszeit an zentraler Stelle in der B-Ebene zu musizieren und dabei Spenden für krebskranke Kinder zu sammeln. Jahr um Jahr kommen dabei erkleckliche Summen zusammen, weil wohl jeder Passant beim Weihnachtseinkauf und selbst beim eiligen Weg nach Hause begreift, dass hier junge und auch etwas betagtere Leute dem Weihnachtsfest seinen Sinn geben. Im letzten Jahr musste digital gespielt und gesammelt werden, in diesem war es mit einigen Vorkehrungen möglich, wieder am gewohnten Ort live zu musizieren – zur großen Freude aller Mitwirkenden und Passanten!

Text und Fotos von Heinz-Georg Ortmanns 

Schulwettbewerb von Jugend debattiert vor Weihnachten

Wie im letzten Jahr konnten wir trotz der Pandemie am 14. Dezember wieder unseren Rhetorikwettbewerb durchführen, nachdem in den Wochen zuvor in den achten und neunten Klassen unter der Anleitung der Deutsch- und PoWi-Lehrer/innen leidenschaftlich geübt und ausgewählt worden war, um die Klassenbesten ins Rennen schicken zu können. Zur Sicherung der Abstandsregel beschränkten wir uns auf zwei große Räume und bei der Siegerehrung in der Aula mussten die Finalisten unter sich bleiben – dem Eifer, mit dem debattiert wurde, tat das keinen Abbruch.

Es ging zunächst um die Frage, ob Influencer verpflichtet werden sollten, auf Bildbearbeitung und Filtereinsatz ausdrücklich hinzuweisen; in der zweiten Runde stritt man dann darüber, ob ab 16 Jahren Körpermodifikationen auch ohne Zustimmung der Eltern erlaubt sein sollten. Den Rahmen bildeten wie immer die Regeln von „Jugend debattiert“, die in den Wochen zuvor in den Deutsch- und Politikstunden eingeübt worden waren. Am Ende hatten Felicitas Hettche (9c), Alexander Beyer (9a) und Julia Liu (9b) die Nase vorn, Björn Risse (8c) und Jonathan Herrmann (8a) belegten bei gleicher Punktzahl den vierten Platz. Gemeinsam können sie sich auf die nächste Runde freuen, die hoffentlich ungeachtet der nächsten Welle wie im letzten Jahr digital stattfinden kann. Das Gagern drückt Euch die Daumen!

Text und Fotos von Heinz-Georg Ortmanns 

Einladung zum Weihnachtskonzert am Dienstag, 21.12.2021 ab 19 Uhr – Jetzt mit Link!

Da wir dieses Jahr das Weihnachtskonzert leider wieder nicht mit Publikum stattfinden lassen können, haben wir die einzelnen Beiträge der Chöre, der Bands und des Kleinen Orchesters zuvor aufgezeichnet und werden sie am Dienstag, 21.12.2021 um 19 Uhr für ca. fünf Stunden auf youtube stellen.

Schulentscheid der 6. Klassen im Vorlesewettbewerb

Hallo, ich bin Otis aus der 6d.
In den letzten Wochen hatten wir im Deutschunterricht das Thema “Buchvorstellungen und Vorlesen”. Dort haben wir alle ein persönlich ausgewähltes Buch mit Plakat und allem drum und dran vorgestellt. Dann wurde ich mit meinem Buch “Kenny und der Drache” zum Vorlese-Sieger der 6d gewählt. Ich war sehr stolz und wollte unsere Klasse beim Vorlesewettbewerb gut vertreten. Ein paar Tage später war es dann so weit. In der ersten und zweiten Stunde haben wir (die jeweiligen Klassensieger) uns in einem Klassenraum getroffen und nacheinander unsere Bücher der Jury vorgestellt. Danach mussten wir noch einen uns unbekannten Text vorlesen. Die anderen Vorleser/innen, Hanna, Hanna und Frida, hatten auch interessante Bücher dabei. Die Jury hatte eine schwere Entscheidung zu treffen, doch nach einem Stechen wurde ich als Sieger gewählt.


Ich habe mich total gefreut und möchte unsere Schule bei der nächsten Auswahlstufe sehr gut vertreten… und hoffentlich gewinnen!

Vielen vielen Dank
Otis Jahnke, 6d

Una bella conoscenza – Eine schöne Bekanntschaft

Ein Bericht von Giulia Mudrack und Amelie Trummer aus dem Italienisch-Unterricht (It-E/Q3)

Habt ihr schonmal von Autismus gehört? Bei Andrea, in Italien ein Männer-Name, wurde diese Entwicklungsstörung festgestellt, als er drei war. Autismus tritt in verschiedenen Formen auf: So haben Autisten manchmal Probleme im alltäglichen Umgang mit anderen und haben Schwierigkeiten beim Sprechen. Doch, dass ein „bisschen anders sein“ nicht schlecht oder komisch ist, merken wir, wenn wir Andreas Geschichte hören: Ein Buch namens „Se ti abbraccio non aver paura“ (Wenn ich dich umarme, habe keine Angst) erzählt über Andreas Reise quer durch die USA und Lateinamerika mit seinem Vater Franco. Der Titel des Buches ist inspiriert von einer Eigenschaft von Andrea, die ihn dazu veranlasst, ständig Leute zu umarmen. Über diese Reise hatte Franco dem Autor Fulvio Ervas berichtet, der im Anschluss dieses Buch geschrieben hat, das auch verfilmt wurde. Mittlerweile ist Andrea, der während der Reise gerademal 17 war, 28 und lebt alleine. Er hat auch schon selber ein Buch geschrieben. Kennengelernt hat unser Italienisch-Kurs Andrea zunächst durch unsere Italienischlehrerin Signora Sgrosso, die uns über ihn erzählte und seine Geschichte in unseren Unterricht eingebunden hat.

Besonders engagiert arbeiten die beiden in ihrer Stiftung „I Bambini Delle Fate“ (Die Feenkinder – https://www.ibambinidellefate.it/), die es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit Projekten das Leben von Familien zu verbessern, die täglich mit den Herausforderungen des Autismus leben. Auch sollen Autisten besser in die Gesellschaft eingebunden und ihnen geholfen werden, auch alleine klarzukommen und wie Andrea auch selbstständig leben zu können.

Weil wir nun schon so viel über Andrea und seine Familie gehört hatten, entschlossen wir uns, ihm als Kurs eine E-Mail zu schreiben. Und groß war die Freude, als wir eine Antwort von ihm persönlich erhielten. Durch seine Antworten auf Fragen, die wir ihm gestellt hatten, konnten wir ihn noch besser kennenlernen und mehr über seine Persönlichkeit und seine Pläne für die Zukunft erfahren. Andreas Antwort war dabei sehr poetisch und philosophisch und auch geprägt von seinem eigenen Schreibstil. Er forderte uns auf noch mehr aufeinander zu achten und unsere Freundschaften zu schätzen.

Für sein junges Alter erschien uns allen Andrea schon sehr weise und erfahren und vor allem waren wir froh, einen so besonderen, freundlichen und intelligenten jungen Mann kennenlernen zu dürfen. Seine Worte und Ideen sollten wir uns alle zu Herzen nehmen und uns von ihm dazu inspirieren lassen, stets aufeinander zu achten und uns gegenseitig zu unterstützen, besonders, weil die Corona-Pandemie uns zurzeit alle belastet. Doch solche Situationen stellen auch eine Chance dar, uns den Wert von Freundschaft und Verbundenheit noch mehr bewusst zu machen.

Der Vorlesewettbewerb ist eine gute Sache, denn er motiviert Schülerinnen und Schüler zum Lesen.

Ein Beitrag von Mariko Tophoven aus der 6b

Dieses Jahr entschieden zuerst alle sechsten Klassen durch Abstimmung, welche Schüler aus der Klasse am besten vorlesen konnte. In der zweiten Runde mussten die auserwählten Schülerinnen und Schüler der einzelnen Klassen gegeneinander antreten. Entscheiden musste eine Jury, die aus drei Lehrerinnen, einem Oberstufenschüler und einem waschechten Schriftsteller bestand. Die Kandidatinnen und Kandidaten durften je zwei Klassenkameraden als Unterstützung mitbringen. Zuerst sollte jede Kandidatin und jeder Kandidat einen Text aus einem selbst ausgesuchten Buch vor der Jury vorlesen, dann einen Fremdtext, der von der Jury ausgewählt wurde. Es war ein sehr spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen.
Der Sieger dieses Jahres ist Otis aus der 6d. Er wird jetzt gegen die Siegerinnen und Sieger aus den anderen Schulen in Frankfurt antreten und das Heinrich-von-Gagern-Gymnasium sicher sehr gut vertreten. Wir wünschen ihm viel Erfolg und drücken ihm fest die Daumen!

Zeitzeugengespräch mit Helmut „Sonny“ Sonneberg

„Das Beste ist es, in einer Demokratie aufzuwachen“

Helmut „Sonny“ Sonnenberg berichtet vor Schülerinnen und Schülern der Q3 sowie der Q1 über seine Kindheit und Jugend in der NS-Zeit und das Überleben im KZ Theresienstadt.

Nach einer herzlichen Begrüßung durch unseren stellvertretenen Schulleiter, Herrn Weschke, fand das Gespräch unter strengen Corona-Schutzmaßnahmen teilweise in Präsenz sowie per Livestream innerhalb der Schule statt.

Helmut „Sonny“ Sonnenberg wurde 1931 unehelich geboren. Seine Mutter Reche, eine Jüdin, heiratete später seinen „Papa“, Fritz Wessinger, der ihn wie einen eigenen Sohn behandelt. Dass es am 30. Januar 1933 zur sogenannten Machtergreifung durch die Nationalsozialisten um Adolf Hitler gekommen war, betrachteten seine Eltern mit Sorge, aber als Frau eines sogenannten „Ariers“ und hochdekorierten Soldaten des Ersten Weltkrieges fühlte sich seine Mutter sicher und wollte Deutschland nicht verlassen.

Die formelle Adoption von Sonny scheiterte leider an den hohen Kosten, dennoch unternahm sein Papa alles, um seinen Sohn zu schützen und auch vor einer Deportation zu bewahren.

Zusammen mit seiner Schwester Liselotte wuchs Sonny zunächst recht unbeschwert in Frankfurt auf. Er wurde im Dom getauft und war als Messdiener aktiv.

Der 10. November 1938 war das erste einschneidene Ereignis: Auf dem Weg zur Schule passierten seine Familie und er die noch brennende jüdische Synagoge am Börneplatz. Dass die Menschen nicht beim Löschen halfen und keiner die Feuerwehr rief, hat Sonny sehr erschüttert.

Die Repressionen wurden im Laufe der Zeit immer schlimmer: Helmut lebte fortan in einem jüdischen Waisenhaus und durfte nur an Sonntagen besucht werden. Dort war er sehr einsam, da er ja eigentlich bei seiner Familie hätte sein können. Auch Freundschaften hätten sich nicht entwickelt, da jeder zu sehr mit den eigenen Sorgen beschäftigt gewesen sei. In der Folgezeit musste die Familie ins sogenannte „Judenhaus“ im Rothschildhaus umziehen, in dem auch andere Ehepaare aus Mischehen lebten.

Als er nach zwei Jahren zu seiner Familie zurückdurfte, setzte sich seine Isolation dennoch fort. Er habe sieben Jahre, vom 7. bis zum 14. Lebensjahr, keine Freunde haben können und dürfen, musste sich immer wieder fürchten, wenn er doch auf die Straße ging, die er nur mit einem Judenstern betreten durfte. Arische Mitbürger hätten ihm jederzeit Gewalt antun dürfen. Am schlimmsten sei es aber gewesen, angespuckt zu werden, dieser Moment bleibt wie eingebrannt.

Bis heute bedauert Sonny sehr, dass ihm eine richtige Schulbildung versagt war: Nach 3,5 Jahren musste er die Schule verlassen und lernte immer nur, wenn er zusammen mit seiner Schwester Hausaufgaben machte.

Am 14. Februar 1945, als der Krieg schon fast verloren war, wurde die letzten 300 Juden an der Großmarkthallte zusammengetrieben und aus Frankfurt deportiert, über Lautsprecher wurde verkündet: „Frankfurt ist endlich judenfrei“. Zu den Deportierten gehörten auch Helmuts Mutter und er selbst.

In Viehwagons war Sonny über 4 Tage unterwegs, bis seine Mutter und er in Theresienstadt (nahe Prag) ankamen. Dort waren sie getrennt untergebracht, konnten sich aber immer wieder sehen. Sonny hat verschiedene Tätigkeiten übernehmen müssen, war als Gärtner, Schreiner oder in den Glimmerbergwerken tätig. Die Mutter unternahm alles, um ihren Sohn mit ihren kargen Rationen zu unterstützen. Diese bestanden aus Graupensuppe, sowie maximal einmal wöchentlich ausgegebenem 500gr Brot, je 50g Butter und Zucker. Verstörend wirkten auch die ständigen Transporte, Kinder wie auch erwachsene Lagerinsassen verschwanden von einem Moment auf den anderen. Schockierend war der Anblick von verlegten Insassen anderer Konzentrationslager, die in Theresienstadt im Frühjahr 1945 ankamen, mehr Skelett als Mensch.

Sonny überlebte die Strapazen der Gefangenschaft, wog nach seiner Rückkehr, eben 14 Jahre alt geworden, aber nur noch 27kg.

Die Jugendzeit in Frankfurt jedoch war für Sonny fast noch schlimmer gewesen als die Zeit in Theresienstadt. Angst habe immer vorgeherrscht, ein Nachbar sei nach dem Hören von BBC London verhaftet worden und nie wieder zurückgekehrt. Hinzu kamen die Fliegerangriffe und die regelmäßige Flucht in die Luftschutzbunker. Seine Träume waren in den „dunklen Jahren“ davon dominiert gewesen, dass der Krieg endlich beendet werde und er keinen Stern mehr tragen müsse.

Als Fußballfan der Frankfurter Eintracht ist Sonny neben der errungenen Deutschen Meisterschaft 1959 auch der WM-Sieg 1954 besonders in Erinnerung geblieben. Verstörend sei jedoch gewesen, dass es in diesem Zusammenhang zum Hissen von Hakenkreuzfahnen in Sachsenhausen gekommen sei. Vielleicht war dies, sowie die Kontinuität ehemaliger Nazis in gewissen Positionen auch der Grund dafür, dass Sonny fast 70 Jahre geschwiegen hat. Zu groß waren Angst und Scham über die erlebte Ausgrenzung. Erst die Zusammenarbeit mit dem Eintracht-Museum hat in den vergangenen zwei Jahren zu einem Umdenken und einem Besuch der heutigen Gedenkstätte geführt, wie filmisch dokumentiert wurde: https://www.youtube.com/watch?v=SI94R6Pgkno

Rachegelüste habe er nie gehabt, dennoch habe er eine große Trauer über verpasste Chancen und auch die inneren Narben seien geblieben. Er sei in seinem Leben jedoch zufrieden gewesen, so dass auch seine Seele gesund geblieben sei.

Abschließend richtet er einen eindrücklichen Appell an unsere Schülerinnen und Schüler, sich immer selbst eine Meinung zu bilden, kritisch zu sein und gegen jede Form von Diskriminierung vorzugehen.

Dafür, dass er uns heute am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium, über sein bewegtes Leben berichtet hat, sind ihm alle Beteiligten sehr dankbar.

Vielen Dank auch an Herrn Dr. Fachinger vom Bistum Limburg, der das Gespräch in Zusammenarbeit mit Herrn Raab ermöglich hat.

Biographie von Helmut Sonnenbergs Schwester:  Lilo Günzler, „Endlich Reden“. Lilo Günzler war 2014 bei uns an der Schule zu Besuch: https://archiv.hvgg.de/index.php?mode=article&id=2451&navid=291

Text: Iris Hofmann, Fotos: Hendrik Raab