Geist statt Geld? Die Philhellenia 2025
Einmal im Jahr sind die Griechen in der Antike nach Olympia gegangen, haben Athleten zugeschaut, sich ausgetauscht, Geschäfte abgeschlossen und religiöse Riten vollzogen.
Einmal im Jahr gehen die Griechen unserer Schule, besser gesagt die Freunde der griechischen Kultur, an eine Schule in Hessen, um sich dort für die „Philhellenia“ zu treffen. Zwar tauschen sie sich dort akribisch über die griechische Kultur aus, doch von Athleten und Geschäften ist bisher nichts bekannt. Und von religiösen Riten auch nichts, obwohl diese Organisation unter ein paar Mythenliebhabern und Mythenliebhaberinnen sicher durchaus beliebt gewesen wäre.
Und obwohl Athene am Morgen des 18. September in der Aula des Lessinggymnasiums in Frankfurt keine Opfer gebracht worden sind, wäre sie sicher stolz gewesen, auf was wir uns an diesem Tag in diesen paar Stunden aneignen konnten…
Zunächst wurde, nach den Begrüßungsworten des Schulleiters, ganz nach dem Geschmack der Alten Griechen, noch eine spannende Rede von Prof. Dr. Brinkmann, dem Leiter der Liebieghauses, gehalten. Er sprach über den „Maschinenraum der Götter“, die letzte Ausstellung im Liebieghaus, und zeigte anhand von Bildern einiger Museumsstücke Aspekte der griechischen, aber auch anderer antiker Kulturen auf.
Danach gingen die Schüler in unterschiedliche Workshops.

Von Numismatik, Medusa in Farbe, Griechenland im Nationalsozialismus bis hin zu Archimedes waren viele interessante Felder mit spannenden Workshops abgedeckt.
In meinem Workshop, „Geld regiert die Welt“, führte uns Herr Lahann in die antike Münzwelt ein…
Was konnte man sich mit einer Drachme leisten? Wie viel waren die einzelnen Münzwerte jeweils Wert? Und wie entwickelte sich die Münzprägung? All dies konnten wir anhand von Repliken und Originalen sehen, die Herr Lahann bereitgestellt hatte. Wir entdeckten, für viele wahrscheinlich überraschenderweise, da wir Münzen in Museen hinter dicken Glasscheiben sehen, wie schwer eine Münze eigentlich ist – mit 17,4g hätte man wohl kaum gerechnet. Die schönen Motive und Schriftzüge hielten wir durch Abpausen auf Papier fest.
Doch bei all dem Geld lernten wir wohl das Wichtigste in diesen 2 Stunden, etwas, was auch der uns wohlbekannte Sokrates schon wusste, der als einziger Philosoph unter seinen Zeitgenossen kein Geld nahm: „Ich nehme kein Geld, weil ich den Geist und nicht den Körper pflege.“
Einen Spruch, den wir uns vor allem in der heutigen Gesellschaft wohl etwas mehr vor Augen halten sollten…
Zwei Räume weiter lauschten dreißig Schülerinnen und Schüler einem Vortrag zum Thema „Griechenland im Nationalsozialismus“. Zuerst wurde über den Neoklassizismus und Philhellenismus in der deutschen Architektur und Kunst zur Zeit des NS-Regimes gesprochen und dabei erklärt, wie damals vor allem griechische Bauten und Statuen in Deutschland nachgebaut wurden, um Macht und Stärke zu zeigen. Danach wurde von der „Operation Marita“ erzählt, den deutschen Angriff auf Griechenland. Dieser ist zunächst aus damaliger deutscher Sicht sehr viel weniger erfolgreich gelaufen als geplant. Die Griechen leisten Widerstand und griffen die deutschen Truppen an. Während der Verfolgung der griechischen Widerstandskämpfer begingen die Deutschen mehrere schreckliche Kriegsverbrechen. Über dieses Thema wurde dann noch weiter gesprochen und wir bekamen die Möglichkeit, Rückfragen zu stellen und uns darüber auszutauschen.
Nach diesen Eindrücken und neu gelernten Dingen gingen alle zum Mittagessen, um danach „Antigone“ des Theatergruppen-Workshops genießen zu dürfen. Die Leistung war erstaunlich, wenn man die kurze Probezeit bedenkt und nach gelungener Vorstellung und einem Abschiedsfoto war die Philhellenia 2025 offiziell vorbei – aber nur offiziell, denn in den Gesprächen auf dem Heimweg wurde teilweise noch akribisch diskutiert – ganz wie bei den Griechen!
Text: AG Schülerredaktion: Emma Duarte (8a) und Hannah Bälz (9a)
Bilder: Laura Reiser



