Heinrich-von-Gagern-Gymnasium Frankfurt am Main

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Interview mit Robert Baskin (Q1), Internationaler Meister

Text:
Hendrik Raab
Fotos:
Hendrik Raab
Letzte Änderung:
08.02.2017
Verantwortliche/r:
Franz Herfert

Interview mit Robert Baskin (Q1), Internationaler Meister

In der Vergangenheit war Robert im Schulschach u.a. zweimal Hessischer Schulschachmeister mit einer Mannschaft des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums, zudem gewann er mehrfach mit unseren Teams das Frankfurter Schulschachturnier Hibbdebach-Dribbdebach.

Robert ist auch im Vereinsbereich seit seiner Kindheit ein sehr talentierter und starker Schachspieler, durchlief mehrere Auswahlkader des Deutschen Schachbundes und erlebt nun mit der Verleihung des Titels eines Internationalen Meisters (auf Lebenszeit!) einen erneuten Höhepunkt seiner Schachlaufbahn, was den Anlass dieses Interviews bietet.

Frage: Lieber Robert, herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg! Mit der Verleihung des Titels eines Internationalen Meisters (IM) durch den Weltschachverband FIDE hast du einen weiteren Sprung in deiner Entwicklung vollzogen. Wie erreicht man so einen Titel?
Robert: Vielen Dank für die Glückwünsche. Man benötigt drei Normen, d.h. entsprechend starke Ergebnisse bei internationalen Turnieren gegen andere Titelträger sowie eine Elo von 2400, um den Titel zu bekommen. Die Elo ist eine Zahl, die in etwa die Spielstärke angibt und durch Turnierergebnisse ansteigt oder sinkt. Bei meiner ersten erspielten Norm hatte ich noch eine Elo von unter 2300, sie kam entsprechend überraschend. Ich freue mich sehr, habe mein nächstes Ziel aber bereits anvisiert: Ich will Großmeister (GM) werden.
 
Wie bist du zum Schachspielen gekommen?
Beigebracht hat mir das Schachspielen mein Vater, dann habe ich in der Schach AG der Russischen Schule samstagnachmittags viel gespielt. Da mein Vater zu der Zeit viel gearbeitet hatte, konnte ich nicht abgeholt werden und ich musste mich im AG-Bereich zwischen Kunst und Schach entscheiden. Recht schnell habe ich gemerkt, dass ich beim Schach oft gewinne, ich in diesem Bereich wohl überdurchschnittliches Talent besitze. Bei den ersten Turnieren, die ich mit 6 Jahren gespielt habe, war ich schnell in den Top 5, zwar nicht absolute Spitze in Deutschland, aber schon sehr gut.

Was waren deine größten Erfolge?
Ich war Deutscher Mannschaftsmeister 2010, bei den Deutschen Einzelmeisterschaften Zweiter und öfters in den Top 5. Im Deutschen Kader bin ich seit 2009 und spiele auch in der deutschen Jugend-Nationalmannschaft. Einmal war ich bei einer Europameisterschaft dabei und bereits dreimal bei einer Weltmeisterschaft.

Was fasziniert dich am Schachspielen?
Das Schachspielen hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Wenn man in etwas Erfolg hat, macht es einem eigentlich immer Spaß, Schach ist einfach ein tolles Spiel. Schach hat die meisten Möglichkeiten aller Spiele, Dame z.B. ist im Gegensatz dazu sehr berechenbar. Man kann sich in immer neue Spielsituationen hinein denken, muss immer neue Lösungen für auftretende Probleme finden – und am Ende setzt sich der Bessere durch.

Hast du die Schach-WM in New York verfolgt? Wem hast du die Daumen gedrückt?
Ja, sehr intensiv, Magnus Carlsen, weil er der beste Schachspieler der Welt ist. Er hat in den ersten Partien ein bisschen Pech gehabt, aber er spielt besser und hat sich am Ende verdient durchgesetzt und den Weltmeister-Titel verteidigt.

Hast du berühmte Vorbilder im Schach?
Nein, Vorbilder habe ich nicht direkt gehabt, am ehesten Jugendliche, die ein oder zwei Jahre älter waren, denen man nacheifern wollte.
Wenn man derart viel in das Schachspiel investiert, wie klappt dann die Vereinbarkeit mit der Schule? Du bist ja immer wieder auch während der Schulzeit auf mehrtägigen Schachturnieren unterwegs gewesen. Gerade läuft im Kino eine Dokumentation mit dem Namen Magnus, über den aktuellen Schach-Weltmeister, Magnus Carlsen. Dort heißt es, dieser habe sich vor allem in der 9. Klasse sehr schwer getan, zudem sei der Kontakt und Austausch mit seinen Mitschülern, die ganz anderen Dingen nachgingen, recht schwierig gewesen.
Dies ist bei mir nicht so, ich habe Turniere, die während der Schulzeit liegen, aber auch stark reduziert. An Austausch mit anderen Schülern mangelt es nicht. Früher war es schwerer, weil man bei einer Deutschen Meisterschaft eine Woche weg war, Klausuren verpasst hat und parallel zur Konzentration beim Schachturnier auch nicht für etwas anderes lernen konnte.

Wie war das auf Weltmeisterschaften so?
Eine super Sache, ein riesiges Turnier, über 1000 Teilnehmer aus aller Welt, auch aus Ländern, in denen Krieg herrscht. Man ist aber auch sehr angespannt, man repräsentiert schließlich Deutschland, die eigenen Partien und Ergebnisse werden online live übertragen. Während jeder WM hatte ich einen Tiefpunkt nach dem Ruhetag, ich komme dann aus dem Rhythmus, andere brauchen diesen Ruhetag hingegen.

Wie hast du die Drucksituation empfunden, wie bist du mit ihr umgegangen?
Deutschland kämpft nicht um viele Medaillen, aufgrund der Schulpflicht ist man gegenüber anderen Ländern, wie z.B. Usbekistan, China oder Indien, in denen die Teilnehmer vor der WM für zwei Monate die Schule nicht besuchen, sondern sich gezielt vorbereiten, klar im Nachteil. Entsprechend spürt man zwar natürlich Druck, aber nicht so extrem wie es bei anderen Nationen der Fall ist.

Hast du noch andere Hobbys außer Schach? Bleibt Zeit dafür?
Ja, ich bin gerne mit Freunden unterwegs , höre viel Musik, bin regelmäßig im Fitnessstudio. Hätte ich noch mehr investiert in das Schachspiel, wäre vielleicht auch noch mehr drin gewesen. Eine Zeitlang habe ich auch nicht so viel Lust gehabt und eher wenig trainiert. Selbstüberwindung die notwendig ist, um intensiv mit Schachliteratur zu arbeiten, ist nicht gerade meine Stärke.

Wie viel Zeit wendest du gewöhnlich für Schach in der Woche auf?
Sehr schwer zu messen, in der Bahn oder in Freistunden beschäftige ich mich mit gerade laufenden Turnieren, vielleicht im Durchschnitt 10 Stunden die Woche, früher noch deutlich mehr. Dazu kommen die Turniere. Ich habe einmal die Woche ca. drei Stunden Einzeltraining, dazu Gruppentraining bei einem GM. Das ist insgesamt aber nicht so viel auf diesem Level.

Du spielst mittlerweile für Darmstadt-Griesheim in der 2. Bundesliga, bist aber deinem Heimatverein Makkabi Frankfurt weiter fest verbunden, engagierst dich dort auch in der Jugendarbeit. Was machst du dort genau, was ist dir daran wichtig?
Makkabi hat viel für mich getan, ich habe deshalb eine starke persönliche Bindung zu Makkabi. Einmal im Jahr helfe ich in einem Jugendcamp, führe das Training mit durch, leite dazu eine Schach AG an der Lichtigfeldschule – und nun steige ich ja auch mit in die Leitung der Schach AG bei uns an der Schule ein.

Was hältst du von der Idee, Schach als Unterrichtsfach einzuführen, wie es an einigen Schulen als Modellversuch bereits geschehen ist? Die Trierer Studie sagt ja aus, dass Schachspielen auch auf andere Bereiche des Lernens, auf viele andere Unterrichtsfächer, positiv abfärbt.
Ich denke, als Wahlfach ist dies eine gute Idee, nicht aber als Pflichtfach. Mir persönlich hat es für anderen Unterricht leider nicht viel gebracht, außer vielleicht beim analytischen Denken. Ich scheine hier aber auch eher eine Ausnahme zu sein...

Fühlst du dich wohl bei uns an der Schule, hast du das Gefühl, in der Vergangenheit in Bezug auf deine sportlichen Verpflichtungen unterstützt worden zu sein?
Ja, ich fühlte mich immer sehr unterstützt, beispielsweise wenn ich Freistellungen für wichtige Turniere benötigte, an anderen Schulen gab es bei Spielern häufiger Probleme.
 

Was hast du noch für Ziele im Schachsport für die Zukunft?
Ich möchte in jedem Fall noch den GM-Titel erreichen. Mit 10 Jahren habe ich angefangen, es ist im Rückblick jetzt schon krass IM zu sein. Der Titel ist jetzt verliehen und man denkt, so viel habe ich doch nicht gemacht, da müsste auch der nächste Schritt möglich sein, ich würde es mir nicht verzeihen, nicht auch noch GM zu werden. Es ist aber noch ein langer Weg bis dahin. Wenn man es überhaupt schafft, so benötigt man vom Fide-Meister-Titel zum IM-Titel im Durchschnitt ca. 2 Jahre, zum GM-Titel in meinem Alter mindestens weitere 3 Jahre.

Wie sehen deine Zukunftspläne aus, willst du Schachprofi werden?
Nein, davon könnte man nicht wirklich gut leben. In eineinhalb Jahren mache ich Abitur, anschließend geht es im Studium vielleicht Richtung Wirtschaft, das ist aber noch recht unbestimmt. Eventuell lege ich auch zwischen Schule und Studium ein Schachjahr ein, in dem ich mich auf das Erreichen des GM-Titels konzentriere.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg weiterhin!


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